Ausser der Reihe · specials

Dürfen Schwarze Blumen Malen?
Klagenfurter Rede zur Literatur 2020
Klagenfurt/Celovec 18. Juni 2020
31 Seiten
Mit 9 Zeichnungen der Autorin, 12 x 18 cm, 70 g
frz. Broschur
ISBN:
978-3-7084-0644-2
€ 9,90
Dürfen Schwarze Blumen Malen?
Klagenfurter Rede zur Literatur 2020

Dürfen schwarze Blumen malen? Dürfen Schwarze Blumen malen? Die Rede der Bachmann-Preisträgerin 2016 handelt von Menschen, die als Objekte der Sprache oft genug Diskriminierung erfahren, und von Menschen, die als Subjekte der Sprache die Wahl haben, wie sie mit ihr umgehen: »›Lehrer*innen‹ hat nicht die gleiche Bedeutung wie ›Lehrerinnen und Lehrer‹, ›Fremdenfeindlichkeit‹ schreibe ich nicht, wenn ich ›Rassismus‹ meine, und ›schwarz‹ ist nicht gleich ›Schwarz.‹«

Mit Genauigkeit und einer guten Portion Humor führt Otoo vor, wie komplex Sprache ist, dass sie sich immer im gesellschaftlichen Kontext bewegt und dass zum respektvollen Umgang mit ihr auch Unsicherheit gehört – »sie ist ein immens wichtiger Teil des Lernens. Wir dürfen Fehler machen«. Und die Autorin ist optimistisch: »Eine Sprache, die es geschafft hat, sich von ›Fräulein‹ zu verabschieden und ein Wort wie ›Safari‹ willkommen zu heißen, ist stark genug, um weitere Upgrades zu verkraften. Oder zumindest, um einen souveränen Aushandlungsprozess zuzulassen.«

»Wir dürfen, wenn es um Sprache und Literatur geht, recht viel. Gesetze, die Verstöße gegen die sogenannte Political Correctness regeln, gibt es keine. Leute, die behaupten: ›Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!‹, haben – mit wenigen Ausnahmen – absolut recht. Die Meinungsfreiheit ist im gesamten deutschsprachigen Raum ein hohes Gut – sie ist eines der wichtigsten Menschenrechte überhaupt. Was es jedoch nicht gibt, obwohl sie bisweilen als Menschenrecht verstanden wird, ist Konsequenzen-Freiheit. Literatur wird nicht ohne gesellschaftlichen Kontext geschrieben und auch nicht ohne einen solchen rezipiert. Selbstverständlich dürfen wir den Kontext vernachlässigen. Die interessantere Frage ist aber, warum wir das tun.«

 


Unterstützt von: kelag - Kärntner Elektrizitäts AG, Kulturabteilung des Landes Kärnten, Österreichisches Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport

Tel.: +43 (0) 463-33631, Fax: +43 (0) 463-33631-33

edition@meerauge.at  |  abonnement@edition-meerauge.at
Bücher wie Meeraugen
EDITION MEERAUGE